Konventionelle Gefässmedizin
Gefässerkrankungen betreffen Arterien, Venen und Lymphgefässe. Wir begleiten unsere Patient*innen von der ersten Abklärung bis zur Nachsorge – mit präziser Diagnostik, ambulanten Eingriffen und einem engen Netzwerk zu spezialisierten Gefässzentren in Zürich.
6 Fragen an Dr. Martina Schaefle-Frick, Dr. Marco Antonio Muster und Dr. Roman Gähwiler zum Thema Arterien, Venen und Lymphgefässe in der konventionellen Gefässmedizin:
Welche Erkrankungen der Arterien sehen Sie am häufigsten?
Das zentrale Thema bei den Arterien ist die Arteriosklerose – die sogenannte Gefässverkalkung. Sie ist ein normaler Alterungsprozess, der durch Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder familiäre Belastung entsteht und/oder beschleunigt wird. Die Folge ist eine zunehmende Einschränkung der Blutversorgung. An den Beinen äussert sich das als krampfartige Schmerzen beim Gehen – im Volksmund «Schaufensterkrankheit» genannt, medizinisch als periphere arterielle Verschlusskrankheit oder PAVK bezeichnet. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zum Absterben von Gewebe kommen. Daneben sehen wir Verengungen der Halsschlagadern, sogenannte Carotis-Stenosen, sowie Aneurysmen – krankhafte Erweiterungen der Gefässwand.
Wie läuft eine Abklärung ab?
Ausgangspunkt ist immer das Gespräch und die körperliche Untersuchung. Dann kommt der Gefässultraschall – konkret die farbcodierte Duplexsonographie. Das ist ein nicht-invasives Verfahren, mit dem wir Verschlüsse, Einengungen und den Blutfluss direkt sichtbar machen können. Ergänzend messen wir die arteriellen Verschlussdruckwerte am Knöchel, teils mit Belastungstest, und führen bei Bedarf eine Oszillographie durch. Zur Beurteilung der kleinsten Gefässe im Körper (sog. Kapillaren) setzen wir die Kapillarmikroskopie ein, welche überlicherweise an den Langfingern durchgeführt wird. Nur wenn diese Abklärungen nicht ausreichen, folgt eine Angiographie – also eine Röntgenkontrastuntersuchung über einen Katheter.
Welche Eingriffe führen Sie direkt in der Praxis durch?
Die Veneneingriffe führen wir ambulant bei uns durch. Dazu gehört die endovenöse Thermoablation – ein thermisches Verfahren zur Behandlung von Stammvarizen (im Volksmund «innere Krampfadern»). Eine dünne Sonde wird in die betroffene Vene eingeführt und versiegelt sie mit Wärme. Der Eingriff ist deutlich schonender als eine konventionelle Operation, die Erholungszeit wesentlich kürzer. Ebenfalls ambulant in der Praxis machen wir die Phlebektomie bei kleineren Seitenastvarizen (im Volksmund äussere Krampfadern) sowie die ultraschallgesteuerte und ästhetische Sklerotherapie. Bei arteriellen Eingriffen – Ballondilatationen, Stenteinlagen – haben wir in der Vergangenheit einen grossen Teil selbst durchgeführt. Heute vermitteln wir gezielt an spezialisierte Gefässzentren in Zürich, begleiten aber die Vorabklärung vollständig und kümmern uns anschliessend um die Nachsorge.
Was ist mit Venenerkrankungen jenseits der Krampfadern?
Die Thrombose ist ein zentrales Thema. Bildet sich ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, besteht die Gefahr einer Lungenembolie – das ist ein medizinischer Notfall. Gleichzeitig gilt: Eine Thrombose kann heute in den meisten Fällen unter ambulanten Bedingungen behandelt werden, mit Kompressionstherapie und Blutverdünnungsmedikamenten. Wir sehen auch das postthrombotische Syndrom, also die Langzeitfolge einer durchgemachten Thrombose mit chronischer venöser Insuffizienz und Schwellungsneigung. Das erfordert oft eine langfristige Begleitung.
Und die Lymphgefässe – das dritte Gefässsystem?
Die Lymphgefässe werden medizinisch oft unterschätzt. Bei Erkrankungen kommt es zu Schwellungen der Arme oder Beine – man spricht vom Lymphödem. Die Ursachen sind primär genetisch bedingt, also eine Fehlanlage der Lymphgefässe, oder sekundär – etwa nach Krebsoperationen, bei denen Lymphknoten entfernt wurden. Abzugrenzen ist das Lipödem, eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die ebenfalls mit Schwellungen einhergeht und überwiegend bei Frauen auftritt. Im Vordergrund der Behandlung steht die kombinierte manuelle Lymphdrainage mit Kompressionstherapie.
Was empfehlen Sie Patient*innen, die zum ersten Mal zu Ihnen kommen?
Was uns hilft, ist die Vorgeschichte, da wir damit die Diagnostik gezielter und kosteneffizienter gestalten können. Dazu gehören Informationen über Vorerkrankungen, Medikamente, Risikofaktoren. Und wenn Sie von einem anderen Arzt zugewiesen werden, sind wir für ein Überweisungsschreiben dankbar.